Im Verlauf des Entscheidungsprozesses, bei dem Sie zusammen mit Ihrem Arzt die richtige MS-Therapie für Sie finden, kommen sicherlich viele Fragen auf. Um Ihnen bei der Entscheidungsfindung zu helfen, beantworten wir allgemeine Fragen zur MS, die Sie vielleicht haben. Wenn Sie weitere Fragen oder Anliegen haben, sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt oder dem Pflegepersonal..
Im Verlauf des Entscheidungsprozesses, bei dem Sie zusammen mit Ihrem Arzt die richtige MS-Therapie für Sie finden, kommen sicherlich viele Fragen auf. Um Ihnen bei der Entscheidungsfindung zu helfen, beantworten wir allgemeine Fragen zur MS, die Sie vielleicht haben. Wenn Sie weitere Fragen oder Anliegen haben, sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt oder dem Pflegepersonal.
Fragen zur Multiplen Sklerose
F: Was ist Multiple Sklerose?
A: Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung des Zentralnervensystems (ZNS), d.h. des Gehirns und des Rückenmarks. Das ZNS besteht aus Nervenzellen, die mit Nervenfasern, den so genannten Axonen, in Verbindung stehen. Die Axone sind umhüllt von einer schützenden Substanz, dem Myelin, die eine schnelle elektrische Signalausbreitung ermöglicht. Bei MS-Patienten greifen u.a. weiße Blutkörperchen das Myelin an und verursachen dort eine Entzündungsreaktion, die das Myelin zerstört. Durch diese Schädigung kommt es zu einer Unterbrechung der Signalleitung und damit zu einem breiten Spektrum an Symptomen wie beispielsweise Muskelschwäche, Abgeschlagenheit und Sehstörungen.
F: Welche Ursachen hat Multiplen Sklerose?
Die genauen Ursachen von Multiplen Sklerose sind nicht bekannt. Ärzte halten MS für eine Autoimmunerkrankung. Bei einer Autoimmunerkrankung richtet der Körper – in der Absicht, Viren oder Bakterien zu bekämpfen – eine Abwehrreaktion gegen sich selbst. Im Falle der MS richtet der Körper die Reaktion gegen das Zentralnervensystem und schädigt das die Nervenfasern umgebende Myelin. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass MS ursprünglich durch eine Infektion ausgelöst wird, wahrscheinlich durch ein Virus. MS ist jedoch nicht ansteckend.
F: Wer erkrankt an MS?
Weltweit sind schätzungsweise bis zu 1,2 Millionen Menschen an MS erkrankt. Frauen sind mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer. MS tritt in allen ethnischen Gruppen auf, ist jedoch bei Menschen weißer Hautfarbe – insbesondere bei Menschen nordeuropäischer Abstammung – am häufigsten. Die Diagnose MS wird meist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren gestellt.
F: Wie wird MS festgestellt?
Erste Hinweise, die zu einer MS-Diagnose führen, ergeben sich üblicherweise aufgrund der Symptome, die Sie Ihrem Arzt beschreiben, und durch eine sorgfältige Überprüfung der Krankengeschichte. Es folgt meist eine gründliche neurologische Untersuchung, die im Allgemeinen eine Magnetresonanztomographie* (MRT) des Zentralnervensystems sowie andere Tests beinhaltet. Die MRT ist ein sicheres und schmerzfreies Verfahren, und mit ihrer Hilfe lassen sich die Lage und die Größe von Läsionen bildlich darstellen. Dies hilft dem Arzt bei der Beurteilung der MS-bedingten Gesamtschädigung.
*Der genaue Zusammenhang zwischen dem MRT-Befund und dem klinischen Status des Patienten ist noch nicht geklärt.
F: Inwiefern kann eine MRT zur Diagnose und zur Verlaufsbeobachtung der MS beitragen?
Die mit Hilfe der MRT* angefertigten Aufnahmen des Gehirns und des Rückenmarks zeigen die Lage und die Größe der Läsionen, also der Bereiche mit demyelinisiertem Nervengewebe. Mit Hilfe dieser Aufnahmen lässt sich die Diagnose einer MS bestätigen. Außerdem ist durch Vergleiche zwischen aktuellen und älteren Aufnahmen eine Verlaufsbeobachtung möglich. Die Zahl und die Lage der in der MRT-Aufnahme sichtbaren Läsionen können in einem Zusammenhang mit den Symptomen stehen. So können Läsionen im Bereich des Hirnstamms beispielsweise Schwindelgefühle auslösen, oder eine Läsion im Rückenmark Muskelschwäche. Manchmal sind Läsionen auch klinisch „stumm“, d. h., sie verursachen keine Symptome. Je höher die Zahl der Läsionen, desto größer die mögliche Schädigung. Mit dem Grad der Schädigung steigt auch das Risiko für das Auftreten von Behinderungen.
*Der genaue Zusammenhang zwischen dem MRT-Befund und dem klinischen Status des Patienten ist noch nicht geklärt.
F: Welche Formen der MS gibt es?
Man unterscheidet hauptsächlich vier verschiedene Formen der Multiplen Sklerose:
1. Schubförmig remittierende MS
- Häufigste Form der MS
- Es kommt im Laufe der Zeit zu Schüben mit anschließender Rückbildung der Symptome. Dazwischen liegen Phasen der Stabilität.
- Diese Verlaufsform liegt anfangs bei den meisten MS-Patienten (bis zu 85 %) vor.
2. Sekundär progrediente MS
- Schübe sind seltener.
- Symptome und Behinderungen nehmen kontinuierlich zu.
3. Primär progrediente MS
- Von Beginn an stetige Zunahme der Symptome, keine Schübe
4. Benigne (gutartige) MS
- Leichte, nur selten auftretende Empfindungsstörungen mit vollständiger Rückbildung
- Diese Form der MS verschlimmert sich nicht. Es kommt nicht zu bleibenden Behinderungen und nicht zu einem Fortschreiten der Erkrankung.
F: Was versteht man unter schubförmig remittierender MS?
Die schubförmig remittierende MS (auch als rezidivierend-remittierende MS bezeichnet) ist die häufigste Form der Erkrankung. Sie ist gekennzeichnet durch einzelne, unvorhersehbare Schübe, gefolgt von einer meist vollständigen Rückbildung (Remission) der Symptome. Während der Schübe verstärken sich die bereits vorhandenen Symptome, und möglicherweise kommen neue hinzu. Die Schubdauer kann von ein paar Tagen bis zu einigen Wochen variieren. Auf die Schübe folgt jeweils eine teilweise oder vollständige Rückbildung. Ein Fortschreiten bis hin zur bleibenden Behinderung ist selten.
F: Welche Symptome treten bei MS auf?
Die Symptome der MS sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Symptome können jederzeit auftreten. Abgeschlagenheit ist eine der häufigsten Beschwerden von MS-Patienten. Andere häufig auftretende Symptome sind eine Optikusneuritis oder andere Sehstörungen, Kribbeln/Taubheit, Schwäche, Schwindel/Gleichgewichtsstörungen, Gedächtnisstörungen/Depressionen, Störungen der Sexualfunktion, Schmerzen, Spastik sowie Störungen der Blasen- und der Darmfunktion.
F: Wie schreitet die MS fort?
Der Verlauf der MS ist schwer vorhersehbar. Die meisten MS-Patienten erleiden in unregelmäßigen Abständen so genannte Rückfälle oder Schübe. Man spricht von einem Schub, wenn sich über einen Zeitraum von mehr als 24 Stunden bereits bekannte Krankheitszeichen verschlechtern oder neue hinzukommen und wenn seit dem letzten Auftreten solcher Symptome mindestens ein Monat vergangen ist. Schübe treten ohne Vorwarnung auf. Bei den meisten Patienten kommt es nach dem Schub zu einer vollständigen Wiederherstellung der Funktion. Bei manchen Patienten dauert der Rückbildungsprozess jedoch länger, und mit dem Fortschreiten der Erkrankung nehmen Behinderungen zu.
F: Ist MS heilbar?
MS ist derzeit nicht heilbar. Allerdings gibt es Arzneimittel, die den Krankheitsverlauf beeinflussen können – so genannte verlaufsmodifizierende Präparate (Disease Modifying Drugs, DMD). Serono forscht intensiv, um noch wirksamere Therapien zu finden und den Betroffenen mit Hilfe der Biotechnologie mehr Hoffnung zu geben.
F: Ist MS erblich? Erkranken meine Kinder auch an MS?
MS an sich ist nicht erblich. Allerdings wird angenommen, dass eine vererbbare Empfänglichkeit (Disposition) für diese Erkrankung besteht, die an die Nachkommen weitergegeben werden kann. Studien mit eineiigen Zwillingen (d. h. mit Personen mit identischen Erbanlagen) zeigen, dass eine Person mit einer Wahrscheinlichkeit von 33 % an MS erkrankt, wenn ihr Zwilling bereits erkrankt ist. Diese Beobachtung lässt vermuten, dass selbst bei einer genetischen Disposition für MS die Frage, ob eine Person erkrankt, immer noch zu zwei Dritteln von der Umwelt oder von anderen Faktoren bestimmt wird. Darüber hinaus erbt jeder Mensch die Hälfte seiner Gene von seinem Vater und die andere Hälfte von seiner Mutter. Es ist daher unwahrscheinlich, dass beide Eltern die Gene für die Empfänglichkeit für MS tragen und an ihre Kinder weitergeben.