Man geht davon aus, dass weltweit bis zu 1,2 Millionen Menschen von MS betroffen sind. Prinzipiell kann jeder Mensch an MS erkranken – egal, wer er ist und wo er lebt.
Interessanterweise legt das weltweite Verbreitungsmuster der MS aber nahe, dass wahrscheinlich sowohl erbliche als auch umweltbedingte Faktoren eine Rolle für das Erkrankungsrisiko spielen. Beispielsweise ist die MS in Nordeuropa, Nordamerika, Südostaustralien und Neuseeland am weitesten verbreitet. In tropischen und subtropischen Regionen ist sie am seltensten.
Die Multiple Sklerose tritt häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Die Krankheit entwickelt sich meist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Das durchschnittliche Alter beim erstmaligen Auftreten liegt bei 31-33 Jahren. Bei Kindern und älteren Menschen wird nur selten eine MS diagnostiziert.
Hautfarbe
Die MS tritt häufiger bei Menschen mit weißer Hautfarbe auf als bei Menschen anderer Hautfarbe. Tatsächlich deuten Studien darauf hin, dass das Risiko, an MS zu erkranken, in den frühen Lebensjahren festgelegt wird. Personen, die in einer Region mit niedrigem Risiko – wie beispielsweise Asien – geboren wurden und die noch vor dem 15. Lebensjahr in eine Region mit hohem Risiko – wie beispielsweise Nordeuropa – umziehen, haben möglicherweise ein höheres Risiko, zu einem späteren Zeitpunkt an MS zu erkranken als Menschen, die nach dem 15. Lebensjahr umziehen.
Lebensalter
Die MS kann in jedem Lebensalter auftreten. Das Durchschnittsalter bei der Erstdiagnose liegt jedoch bei ca. 30 Jahren. Weniger als 4 % der Betroffenen entwickeln die Krankheit bereits im Kindesalter. In der Kindheit ist die schubförmig remittierende MS die häufigste Erkrankungsform, wobei vermehrt Empfindungsstörungen auftreten und eine höhere Verbreitung bei Mädchen zu verzeichnen ist.
Geschlecht und MS
Das Erkrankungsrisiko ist bei Frauen doppelt so hoch wie bei Männern. Die einzige Ausnahme bildet die primär progrediente MS, die bei Männern und Frauen gleich weit verbreitet ist.4 Bei Männern nimmt die MS in der Regel einen schwereren Verlauf, und es besteht häufiger eine ungünstige Prognose.
Prävalenz der MS
Die MS ist weltweit unterschiedlich weit verbreitet. Geographisch werden drei Zonen unterschieden, in denen die Prävalenz unterschiedlich hoch ist:
- Zonen hoher Prävalenz (> 30 Erkrankte pro 100 000 Einwohner): große Teile Europas, Russland, Kanada, der Norden der USA, Südost-Australien und Neuseeland
- Zonen mittlerer Prävalenz (5–30 Erkrankte pro 100 000 Einwohner): der Süden der USA, ein Großteil Australiens, Südafrika, der südliche Mittelmeerraum, Sibirien, die Ukraine und einige Teile Lateinamerikas
- Zonen niedriger Prävalenz (< 5 Erkrankte pro 100 000 Einwohner): große Teile Asiens, Afrikas und der Norden Südamerikas
Bei Personen, die aus einem Land mit niedriger Verbreitung in ein Land mit hoher Verbreitung auswandern, steigt das MS-Erkrankungsrisiko. Dies gilt auch umgekehrt: Bei Personen, die aus einem Land mit hoher Verbreitung in ein Land mit niedriger Verbreitung auswandern, verringert sich das Risiko. Deshalb wird davon ausgegangen, dass Umweltfaktoren von erheblicher Bedeutung für das Auftreten der Erkrankung sind. Bisher konnte jedoch noch kein einzelner auslösender Faktor identifiziert werden.
Die MS-Erkrankungsrate scheint mit zunehmender Entfernung zum Äquator zu steigen. Die MS tritt häufiger bei Menschen mit weißer Hautfarbe auf als bei Menschen mit anderer Hautfarbe. Doch auch bei Menschen mit weißer Hautfarbe zeigen sich Unterschiede: In Ländern oder Regionen, die auf höheren Breitengraden der Nord- oder Südhalbkugel liegen, ist die Prävalenz deutlich erhöht. Schottland zum Beispiel verzeichnet eine höhere MS-Prävalenz als England oder Wales. Dies ist möglicherweise auf die weiter nördliche Lage zurückzuführen. Da außerdem bestimmte Regionen in Schottland – wie etwa der Südosten, die Orkneyinseln und die Shetlandinseln – die weltweit die höchste MS-Prävalenz aufweisen, könnte in diesen Gebieten auch eine genetische Prädisposition für MS von Bedeutung sein.