Bei Patienten mit primär progredienter MS verschlechtern sich die Symptome von Beginn der Erkrankung an kontinuierlich. Es kommt nicht zu ausgeprägten Schüben. Die Behinderung dieser Patienten nimmt allmählich zu. Bei einigen Patienten gibt es dann ab einem gewissen Punkt keine weitere Zunahme der Behinderung mehr, bei anderen verschlechtert sich der Zustand jedoch über Monate oder Jahre hinweg.
Die primär progrediente MS ist eine fortschreitende Erkrankungsform ohne eindeutige Schübe und anschließende Phasen der Rückbildung. Die Patienten sind bei Erkrankungsbeginn in der Regel älter als bei den anderen Formen der MS. Die primär progrediente MS betrifft typischerweise Patienten ab 40 Jahren (in seltenen Fällen auch früher).
Im Gegensatz zu den anderen Formen der MS tritt die primär progrediente MS bei Männern genauso häufig auf wie bei Frauen. Erstsymptome äußern sich in der Regel als spastischer Gang in Zusammenhang mit einer Verschlechterung der Gangqualität. Die Prognose ist bei der primär progredienten MS im Allgemeinen ungünstiger als bei den anderen Formen der MS, und es kommt auch zu einer rascheren Verschlechterung.
Eine eindeutige Diagnosestellung ist bei der primär progredienten MS schwierig: Da sich die Plaques bei dieser Form der Erkrankung typischerweise im Rückenmark bilden, ist es möglich, dass ein MRT-Scan des Gehirns keine sichtbaren Plaques zeigt. Deshalb ist eine Magnetresonanztomographie des Rückenmarks unabdingbar für die Diagnose der primär progredienten MS.